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Die Kraft des Vertrauens

Kennen Sie den Nocebo-Effekt? Wörtlich übersetzt heißt Nocebo: Ich werde schaden. Der Nocebo-Effekt ist der böse Bruder des Placebo-Effektes. Ein Placebo kann allein durch den Glauben an die Tablette kurierende Wirkung entfalten, obwohl das Präparat selbst keinerlei heilende Substanzen enthält. Mit dem Nocebo-Effekt, der negativen Wirkung des Glaubens an die schädlichen Folgen eines Medikaments, beschäftigt sich die Wissenschaft erst seit rund einem Jahrzehnt intensiver. Das Phänomen ist aber schon so alt wie die Menschheit selbst.

Ein Beispiel aus unserer Zeit: Weil seine Freundin ihn verlassen hat, will ein Student sich das Leben nehmen. Er schluckt den kompletten Monatsvorrat eines starken Psychopharmakons, das er als Teilnehmer einer Medikamentenstudie erhalten hat. Er wird in die Notaufnahme gebracht. Sein Zustand ist kritisch und verschlechtert sich, obwohl die Ärzte alles versuchen. Der Leiter der klinischen Studie wird alarmiert. Der kann endlich Entwarnung geben: Die Pillen, die der Student in so hoher Dosis geschluckt hatte, enthielten nichts außer Stärke und ein wenig Milchzucker. Er war Teil der Placebogruppe. Eine Viertelstunde, nachdem er das erfahren hat, kann er das Krankenhaus wieder verlassen. Allein der Glaube, dass das Arzneimittel ihm in dieser hohen Dosis schaden könne, hatte ihn krank gemacht.

Ich selbst bin auf dieses Thema durch eine Sendung des Deutschlandfunks gestoßen und war beeindruckt. Beeindruckt davon, was für eine unglaubliche Kraft der menschliche Glaube hat. Und das menschliche Wort, das den Glauben an eine gute oder böse Zukunft wecken kann: Fehldiagnosen von Ärzten bei Gesunden rufen Krankheitssymptome hervor. Ständige Kritik von Eltern lässt Kinder zu dem werden, was Eltern mit ihren Worten gerade verhindern wollten. Dagegen machen liebevolle Begleitung von Menschen und Mut machende Worte stark. Anderen etwas zutrauen, an ihre Möglichkeiten glauben, beflügelt. So gesehen entdecke ich ganz neu, was der christliche Glaube für ein Schatz ist. Die Botschaft, dass wir von Gott geliebt sind und lieben können stärkt die positiven Kräfte in uns und macht frei von Ängsten. "Wenn wir dich haben, kann uns nicht schaden Teufel, Welt, Sünd oder Tod", heißt es in einem Gesangbuchlied. Jeder Segen am Schluss des Gottesdienstes erinnert uns daran und schenkt uns Kraft und Zuversicht, vielmehr als ein Placebo je vermag.

Johannes Fritzsche
Wort zum Sonntag in der Gießener Allgemeinen Zeitung am 21. Januar 2012